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Iljuschin Il-62
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Die Iljuschin Il-62 (russisch Đ˜Đ»ŃŒŃŽŃˆĐžĐœ Ил-62, NATO-Codename Classic) war das erste mit Strahltriebwerken ausgestattete Langstrecken-Verkehrsflugzeug der Sowjetunion. Es ist der Nachfolger der Tupolew Tu-114. Erstflug der Il-62 war im Januar 1963, am 10. MĂ€rz 1967 nahm die erste Maschine ihren Betrieb bei der sowjetischen Fluggesellschaft Aeroflot auf. Im Jahr 1971 kam die Version Il-62M heraus, die unter anderem stĂ€rkere und sparsamere Triebwerke aufwies. Die Produktion im Kasaner Flugzeugwerk endete erst 1999. Insgesamt wurden 292 Maschinen gebaut, von denen mit Stand Oktober 2015 noch 14 im Einsatz sind.cite-ref-ch-aviation-2-0[2]

Contents

‱ Varianten
‱ Einsatz
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Konstruktion

Die Il-62 ist ein als Tiefdecker ausgelegtes Ganzmetallflugzeug. Der Rumpf hat einen ovalen Querschnitt und eine Druckkabine. In der Rumpfspitze befinden sich die ArbeitsplĂ€tze der fĂŒnfköpfigen Besatzung. Der Bordingenieur hat seinen Platz nach hinten versetzt zwischen den beiden Piloten. Navigator und Bordfunker sitzen dahinter quer zur Flugrichtung. Unmittelbar an das Cockpit schließen sich RĂ€ume fĂŒr die elektronische AusrĂŒstung an. Die Wetterradarantenne ist in der Rumpfspitze untergebracht. Die Passagierkabine mit jeweils drei Sitzen zu beiden Seiten des Mittelgangs ist in zwei Sektionen geteilt; zwischen ihnen befindet sich auf Höhe der TragflĂ€chen die BordkĂŒche. Auf jeder Seite sind jeweils zwei PassagiertĂŒren im Bereich des Vorderrumpfes und je zwei NotausstiegstĂŒren ĂŒber den TragflĂ€chen angeordnet. Im Heck sind Toiletten, GepĂ€ckrĂ€ume und Teile der FlugzeugausrĂŒstung (FunkausrĂŒstung, Hydraulik) untergebracht.

Die dreiholmigen TragflĂ€chen sind fĂŒr einen Flug im hohen Unterschallbereich um 35° an der 1/4-Linie stark gepfeilt und haben einen SĂ€gezahn. An den Enden der TragflĂ€chen befinden sich dreiteilige Querruder als Wölbklappen, wobei das mittlere und das Ă€ußere Ruder federbelastete Servoklappen sind. Die geteilten Landeklappen sind als Fowlerklappen ausgefĂŒhrt und elektrisch angetrieben. Auf der Oberseite der TragflĂ€chen sind die hydraulisch betĂ€tigten Störklappen angebracht. Die TragflĂ€chen sind nicht mit VorflĂŒgeln ausgerĂŒstet. Sie sind am zentralen Haupttorsionskasten mit je zwei Holmen ĂŒber die gesamte TragflĂ€che und je zwei Holmen bis zu den Querrudern ausgestattet. Der Haupttorsionskasten ist als Integraltank ausgefĂŒhrt. Zusammen mit den beiden FlĂ€chentanks hat die Il-62 eine TreibstoffkapazitĂ€t von 100.000 Liter.

Das Flugzeug hat vier am Heck angebrachte Strahltriebwerke vom Typ NK-8-4 (der Prototyp war noch mit Ljulka AL-7-Triebwerken mit nur 75 kN ausgerĂŒstet)cite-ref-3[3] mit anfangs 99 kN und spĂ€ter mit 103 kN Startschub. Als Vorteil der Triebwerksanordnung wurden eine aerodynamisch saubere TragflĂ€che, eine einfachere Konstruktion durch die unkomplizierte Krafteinleitung, die Verringerung von Vibrationen, die leichtere Beherrschbarkeit des Flugzeuges bei Ausfall eines Triebwerkes und die geringere GefĂ€hrdung bei Notlandungen angesehen. Durch die Position der Triebwerke verlagert sich jedoch der Schwerpunkt sehr weit nach hinten. Dies machte die Installation eines Ballasttanks notwendig. Die beiden Ă€ußeren Triebwerke sind mit Schubumkehr ausgerĂŒstet. Dabei wird der grĂ¶ĂŸte Teil des Abgasstrahls durch verstellbare Klappen und Gitter auf der Ober- und Unterseite nach vorn umgeleitet.

Die Anordnung der Triebwerke ließ eine Leitwerkskonstruktion in Normalbauweise nicht zu. Stattdessen ist das Leitwerk in T-Form ausgefĂŒhrt. Die Höhenflosse wird zur Trimmung elektrisch ĂŒber eine Spindel verstellt. ZusĂ€tzlich hat das manuell angesteuerte Höhenruder noch auf jeder Seite je eine automatische und eine manuell betĂ€tigte Trimmklappe. Das Seitenruder wird manuell angesteuert und hat außer GierdĂ€mpfern noch ein Flettner-Ruder und eine Trimmklappe.

Das Hauptfahrwerk besteht aus zwei zweiachsigen Wagenfahrwerken mit jeweils vier RĂ€dern und hydraulisch betĂ€tigten Scheibenbremsen. Das Hauptfahrwerk wird hydraulisch nach innen in Rumpf und TragflĂ€chen eingefahren. Das lenkbare, doppelt bereifte Bugfahrwerk wird hydraulisch nach vorn in den Rumpf eingefahren. Im Falle des Ausfalls der Hydraulik können die Fahrwerke allein durch ihr Gewicht ausgefahren werden. ZusĂ€tzlich hat das Flugzeug eine elektrisch ein- und ausfahrbare HeckstĂŒtze, die im ausgefahrenen Zustand bei ungĂŒnstiger Schwerpunktlage ein Kippen des Flugzeuges auf das Heck verhindert. Die HeckstĂŒtze ermöglicht es, das Flugzeug in beliebiger Reihenfolge zu beladen oder entladen (zum Beispiel Beladung von hinten beginnend). Sie erlaubt zudem das RĂŒckwĂ€rtsrollen mit Hilfe der Schubumkehr sowie das Wenden auf einer nur 45 m breiten Start- und Landebahn. Im eingefahrenen Zustand schĂŒtzen die beiden nur halb in die Rumpfkontur eingezogenen RĂ€der der HeckstĂŒtze den Rumpf vor SchĂ€den, falls das Rumpfheck bei Start oder Landung Bodenkontakt bekommen sollte.cite-ref-4[4]

Die Il-62 war mit einer umfangreichen Funk- und NavigationsausrĂŒstung ausgestattet, zu der Autopilot, Funkkompass und Navigationsanlagen fĂŒr VOR, ILS und RSBN gehörten. Die kombinierte TrĂ€gheits- und Dopplernavigationsanlage ermöglichte LangstreckenflĂŒge auch beim Fehlen bodengebundener Navigationssysteme, allerdings war eine eigenstĂ€ndige TrĂ€gheitsnavigationsanlage (Typ I-11) erst mit der EinfĂŒhrung der Il-62M verfĂŒgbar.

FĂŒr TransatlantikflĂŒge wurde auch bei sowjetischen Betreibern (Aeroflot) mit westlicher Technik (LORAN, spĂ€ter Omega-Navigationsverfahren) navigiert.

Mit der beschriebenen Anlage war das Abfliegen vordefinierter Wegpunkte, ein automatischer Landeanflug bis zu einer Höhe von 30 m, das automatische Durchstarten und Abfliegen von Platzrunden möglich.

1985 wurden sÀmtliche im Dienst befindlichen Il-62 und Il-62M modernisiert. Dazu gehörten der Einbau eines TrÀgheitsnavigationssystems sowie Modifikationen zur LÀrm- und Abgasreduzierung.

Varianten

Im Jahr 1971 kam die Version Il-62M heraus, die unter anderem stĂ€rkere und sparsamere Triebwerke des Typs Solowjow D-30 erhielt. Diese Triebwerke waren wirtschaftlicher und boten eine bessere Schubumkehr. Bei nahezu gleicher RĂŒstmasse stieg die Zuladung um 6 t. Die Maschine erhielt einen Kraftstoffzusatztank im Seitenleitwerk (erhöhte Reichweite), eine ĂŒberarbeitete und modernisierte CockpitausrĂŒstung sowie eine modernisierte KabinenausrĂŒstung mit erstmals verschließbaren GepĂ€ckfĂ€chern.

Ende der 1970er-Jahre kam als modernisierte Il-62M die Il-62MK mit einem Rumpf in Halbschalenbauweise, einem geĂ€nderten Torsionskasten sowie neugestalteten Holmen und geĂ€nderter TragflĂ€chenbeplankung. Neue Spoiler fuhren automatisch bei Belastung des Hauptfahrwerkes aus. Das Hauptfahrwerk wurde aus verbesserten Materialien gefertigt und erhielt neue Niederdruckreifen, eine breitere Spurweite und effektivere Bremsen. Die Kabine, nun fĂŒr 195 Passagiere ausgelegt, erhielt einen breiteren Mittelgang, der den Einsatz von Verpflegungswagen ermöglichte. Die Nutzlast wurde um 2 t erhöht. Diese Variante wurde nie gebaut, allerdings kamen einige der Verbesserungen (zum Beispiel die verstĂ€rkten TragflĂ€chen) bei neueren Il-62M zum Einsatz, die dann inoffiziell als Il-62M(K) bezeichnet wurden.cite-ref-5[5]

Als Il-62M-WKP wurde eine militĂ€rische Version mit gegenĂŒber der Il-62M grĂ¶ĂŸerem Treibstoffvorrat und leiseren Triebwerken bezeichnet, von der lediglich eine Maschine fĂŒr das russische Katastrophenschutzministerium gebaut wurde.

Einsatz

Am 10. MĂ€rz 1967 konnte die Aeroflot ihre erste Il-62 fĂŒr die Streckenerprobung ĂŒbernehmen. Am 15. September 1967 löste die Il-62 die Tu-114 auf der Strecke Moskau – Montreal ab. Im Jahr darauf ersetzte die Il-62 ab 1. August die Tu-104 auf der direkten Verbindung von Moskau nach Berlin-Schönefeld; zuvor war am 20. Juli 1968 erstmals ein Exemplar auf diesem Flughafen gelandet.cite-ref-6[6]

Die Il-62 kam bei nahezu allen Fluggesellschaften der sozialistischen LĂ€nder zum Einsatz. Die Flotte der DDR-Fluggesellschaft Interflug bestand zu einem großen Teil aus Il-62-Flugzeugen (1990 15 Flugzeuge). Der schwerste Unfall in der Geschichte der Interflug war der Absturz einer Il-62 am 14. August 1972. Eingesetzt wurde dieser Typ außerdem bei Egypt Air und 1971 im Wet-Lease bei der niederlĂ€ndischen KLM. Bei der nordkoreanischen Air Koryo und wenigen Gesellschaften der ehemaligen Sowjetunion ist die Il-62 heute noch im Einsatz.

Viele der bisherigen Betreiber der Il-62 ersetzten ihre Flugzeuge durch die Il-62M. Außerdem erwarben CAAC, die angolanische TAAG und die Linhas AĂ©reas de Moçambique diese Version. Die Il-62M wurde auch vom TG-44 der NVA, das fĂŒr FlĂŒge der politischen FĂŒhrung der DDR zustĂ€ndig war, eingesetzt. Innerhalb des TG-44 bestand dafĂŒr die selbstĂ€ndige Transportfliegerkette Il-62M. Mit einem Flugzeug dieses Typs reiste Erich Honecker 1987 zu seinem Besuch in die BRD.

Nach der Wende 1990/1991 wurden viele Il-62 durch westliche Typen ersetzt und gelangten so als preiswerte und begehrte Flugzeuge auf den Gebrauchtmarkt.

Aktuelle Betreiber

Mit Stand April 2023 sind von 292 produzierten Il-62 noch 13 im aktiven Dienstcite-ref-ch-aviation-2-1[2]:

Korea Nord Nordkorea

‱ Air Koryo (3)
‱ Nordkoreanische Regierung (1)cite-ref-7[7]

Russland Russland

‱ Lufttransporteinheit der russischen StreitkrĂ€fte (Wojennaja Transportnaja Awiazija) (1)

Belarus Belarus

‱ Rada Airlines (3)

StationÀre Nutzung

Am 23. Oktober 1989 landete eine Besatzung mit Heinz-Dieter Kallbach die Interflug-Il-62 mit dem Luftfahrzeugkennzeichen DDR-SEG auf der nur 900 m langen Graspiste des Flugplatzes Stölln/Rhinow (siehe Iljuschin Il-62 auf dem Flugplatz Stölln/Rhinow). Das nach Otto Lilienthals Ehefrau „Lady Agnes“ getaufte Flugzeug war ein Geschenk an die Gemeinde Stölln, in der Lilienthal beim letzten seiner zahlreichen FlĂŒge vom 108 Meter hohen Stöllner Gollenberg am 9. August 1896 abgestĂŒrzt war. Eine Il-62 benötigt fĂŒr eine normale Landung eine Piste von mehr als 2500 m LĂ€nge. Dieses spektakulĂ€re Manöver ging in das Guinness-Buch der Rekorde ein.

Eine Il-62, die ehemals in der UdSSR flog, wurde zu einem Restaurant umgebaut und steht nun als JetRest in Excalibur City, einer Einkaufsstadt an der Grenze zwischen Österreich und Tschechien. Eine andere Il-62 – die ehemalige tschechische PrĂ€sidentenmaschine – steht seit 2018 in Graz und wird als Restaurant im Hotel Novapark betrieben.cite-ref-8[8] Eine Il-62, die fĂŒr die DDR-Fluggesellschaft Interflug flog, steht in der NĂ€he des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig, auch dort wurde bis 2022 ein Restaurant betrieben. Nun soll sie fĂŒr die Kinderbetreuung der nahegelegenen FlĂŒchtlingssammelunterkunft genutzt werden.cite-ref-9[9] Eine weitere Il-62 der Interflug befindet sich heute im Luftfahrtmuseum Merseburg und wird als CafĂ© genutzt.

ZwischenfÀlle

Von den 292 einschließlich Prototypen gebauten Il-62/Il-62M wurden bisher 15 durch FlugunfĂ€lle zerstört. Darunter befand sich auch der Prototyp, der beim 127. Erprobungsflug am 25. Februar 1965 bei einem Manöver mit maximaler Startmasse und sehr hohem Anstellwinkel durch einen Leistungsabfall im linken Triebwerk abstĂŒrzte, wobei die zehnköpfige Besatzung ums Leben kam. Bei weiteren vier UnfĂ€llen (LOT-Flug 007 am 14. MĂ€rz 1980 in Warschau, Aeroflot-Flug 411 am 6. Juli 1982 in Moskau, am 29. September 1982 in Luxemburg und LOT-Flug 5055 am 9. Mai 1987 in Warschau) waren Triebwerksprobleme die Ursache. Bei fĂŒnf weiteren UnfĂ€llen (am 16. Juni 1972 in Kairo-Almaza, am 20. August 1975 in Damaskus, am 3. September 1989 in Havanna, am 30. Juni 1990 in Jakutsk und am 24. Juli 2009 beim Landeunfall einer Maschine der Aria Air in Maschhad) waren Pilotenfehler verantwortlich. Der Unfall des Interflug-Fluges 102 wurde durch ein klemmendes Höhenruder in Kombination mit einem Bedienfehler durch den Bordingenieur verursacht. Die restlichen UnfĂ€lle haben mehrere Ursachen oder sind ungeklĂ€rt. Einige weitere UnfĂ€lle am Boden (zum Beispiel die Kollision einer Boeing 747 mit einer stehenden Il-62 am 11. November 1998 in Anchorage) oder in der Luft fĂŒhrten zum wirtschaftlichen Totalschaden einiger Maschinen, wobei es jedoch keine Toten gab.cite-ref-10[10]

AusgewÀhlte VorfÀlle:

‱ Am 16. Juni 1972 landeten die Piloten einer Iljuschin Il-62 der Egypt Air (Luftfahrzeugkennzeichen SU-ARN) versehentlich auf dem falschen Flughafen Kairo-Almaza. Die Piloten hĂ€tten auf der Landebahn 34 des sieben Kilometer entfernten Flughafen Kairo-International landen sollen, auf der die ersten 650 Meter gesperrt waren. Als sie stattdessen wegen der vermeintlichen Baumaßnahmen 700 Meter versetzt auf der nur 2050 Meter langen Landebahn 36 des Flughafens Almaza aufsetzten, erwies sich deren RestlĂ€nge als eindeutig zu gering. Das Flugzeug ĂŒberrollte das Landebahnende und wurde zum Totalschaden. Alle 59 Insassen, 12 Besatzungsmitglieder und 47 Passagiere, ĂŒberlebten die Bruchlandung.cite-ref-11[11]

‱ Am 14. August 1972 war der Absturz einer Il-62 der Interflug (DM-SEA) (ca. 30 min nach dem Start, auf dem RĂŒckflug zum Startflughafen Berlin-Schönefeld) bei Königs Wusterhausen (heute Bundesland Brandenburg) der schwerste Flugunfall auf deutschem Boden. Ausgelöst wurde er durch einen Brand im Heck der Maschine. Eine undichte Zapfluftleitung in unmittelbarer NĂ€he der Verkabelung fĂŒr die trimmbare Höhenflosse (Stabilisator) fĂŒhrte zu einem Kurzschluss mit anschließendem Brand. Infolgedessen wurde der Festigkeitsverband im Rumpfheck geschwĂ€cht und das T-Leitwerk riss ab. Daraufhin stĂŒrzte das steuerlose Flugzeug ab, wobei alle 156 Menschen an Bord getötet wurden (siehe auch Interflug-Flug 450/742).cite-ref-12[12]

‱ Am 13. Oktober 1972 wurde eine Iljuschin Il-62 der Aeroflot (CCCP-86671) beim Anflug auf den Flughafen Moskau-Scheremetjewo in ein WaldstĂŒck 12 Kilometer vor der Landebahn geflogen, nachdem ein Sinkflug in der Endanflugsphase aus ungeklĂ€rter Ursache bis zum Aufprall fortgesetzt wurde. Alle 174 Menschen an Bord starben (siehe auch Aeroflot-Flug 217).cite-ref-13[13]

‱ Am 20. August 1975 wurde um 1:13 Ortszeit (23:13 UTC am 19. August) eine Iljuschin Il-62 der tschechoslowakischen ČSA (OK-DBF) auf dem Linienflug von Prag ĂŒber Damaskus (Syrien) nach Teheran ins GelĂ€nde geflogen. Im Anflug zur Zwischenlandung in Damaskus flog die Maschine bei gutem Wetter ca. 17 Kilometer vor der Landebahn in einen HĂŒgel. Als Ursache werden Fehler bei der Einstellung der Höhenmesser fĂŒr möglich gehalten. Bei diesem CFIT (Controlled flight into terrain) wurden 126 der 128 Personen an Bord getötet, darunter der polnische Theaterregisseur Konrad Swinarski (siehe auch ČSA-Flug 540).cite-ref-14[14]

‱ Am 14. MĂ€rz 1980 stĂŒrzte auf dem Flughafen Warschau eine Iljuschin Il-62 der polnischen Fluggesellschaft Polskie Linie Lotnicze LOT (SP-LAA) aus New York kommend ab, alle 87 Passagiere an Bord kamen ums Leben; die polnische SĂ€ngerin Anna Jantar war ebenfalls unter den Opfern (siehe auch LOT-Flug 007).

‱ Am 6. Juli 1982 wurden beim Start einer Iljuschin Il-62M der Aeroflot (ĐĄĐĄĐĄĐ -86513) vom Flughafen Moskau-Scheremetjewo nacheinander Feueralarme fĂŒr zwei Triebwerke aktiv. Die Piloten stellten die beiden Triebwerke ab, woraufhin die Geschwindigkeit sank und es zum Strömungsabriss kam. Die Maschine stĂŒrzte 11 Kilometer hinter dem Flughafen in eine Siedlung, dabei kamen alle 90 Personen an Bord ums Leben. Es stellte sich heraus, dass die Feueralarme aufgrund eines gebrochenen Klimaanlagenrohrs fehlerhaft ausgelöst worden waren.cite-ref-15[15]

‱ Am 29. September 1982 kam eine Iljuschin Il-62 der Aeroflot (CCCP-86470) bei der Landung auf dem Flughafen Luxemburg-Findel nach rechts von der Landebahn 06 ab und fing Feuer, nachdem kurz vor der Landung die Schubumkehr des Triebwerks Nr. 1 versagt hatte. Die Maschine sollte von Moskau ĂŒber Luxemburg nach Lima fliegen. Sieben Menschen starben, 26 wurden verletzt. Die restlichen 44 Passagiere blieben unversehrt (siehe auch Aeroflot-Flug 343).cite-ref-0-16-0[16]

‱ Am 9. Mai 1987 fielen auf einem Flug einer Il-62M der LOT (SP-LBG) von Warschau nach New York zwei Triebwerke aus. Dabei brach im Heck der Maschine ein Feuer aus, das von der Besatzung jedoch zunĂ€chst nicht erkannt wurde. Daraufhin beschlossen die Piloten, zum Flughafen Warschau zurĂŒckzukehren. Die Maschine stĂŒrzte jedoch kurz vor der Landebahn ab. Bei dem bislang schwersten Unfall der LOT und der Il-62 kamen alle 183 Passagiere und die Besatzung ums Leben (siehe auch LOT-Flug 5055).cite-ref-17[17]

‱ Am 24. Juli 2009 um 18:10 Uhr wurde auf dem Mashhad International Airport bei ihrer Landung eine im Jahr 1989 gebaute, aber wenig geflogene Iljuschin Il-62 mit dem Kennzeichen UP-16208, geleast von der Aria Air, zerstört. Dabei kamen 17 Personen einschließlich CEO Mehdi Dadpei, dessen Sohn und 13 Besatzungsmitglieder ums Leben; weitere 19 wurden verletzt.cite-ref-asn-18-0[18]cite-ref-bbc8168074-19-0[19] Ursache war, dass der Pilot die Maschine relativ spĂ€t und zu schnell (mit 317 km/h statt der zulĂ€ssigen 250 km/h) auf der 3800 Meter langen Landebahn 13L aufsetzte. Dadurch ĂŒberrollte die Maschine das Ende der Landebahn und prallte etwa 1000 Meter spĂ€ter gegen einen Erdwall, wobei die vordere Rumpfsektion zerstört wurde. Die Maschine wurde erst im Mai 2009 an die Fluggesellschaft verleast und gehörte frĂŒher zum Bestand der Interflug (Kennzeichen DDR-SEY) (siehe auch Aria-Air-Flug 1525).cite-ref-20[20]

‱ Im April 2023 wurde die Il-62M mit dem Kennzeichen ST-PRA der Sudanesischen Regierung bei KĂ€mpfen am Flughafen Khartum zerstört.cite-ref-21[21] Es handelte sich dabei um die letzte je produzierte Il-62. Deren Bau begann schon 1993, aber vollendet wurde das Flugzeug erst 2004 und im Anschluss an den ehemaligen PrĂ€sidenten des Sudans – Umar al-Baschir – verschenkt.cite-ref-22[22]

Technische Daten

| KenngrĂ¶ĂŸe | Daten der Il-62M |
|---|---|
| Besatzung | 4–5 |
| Passagiere | 158–186 |
| LĂ€nge | 53,12 m |
| Spannweite | 43,20 m |
| Höhe | 12,30 m |
| FlĂŒgelflĂ€che | 282,2 mÂČ |
| FlĂŒgelstreckung | 6,6 |
| Leermasse | 69.400 kg |
| max. Startmasse ( MTOW ) | 165.000 kg |
| Höchstgeschwindigkeit | 950 km/h |
| Reisegeschwindigkeit | 860 km/h |
| max. Flughöhe | 13.000 m |
| Reichweite | 10.000 km |
| Triebwerke | vier Solowjow D-30 KU-Triebwerke am Heck, je 112,8 kN |

Nachnutzung

2018 wurden eine Iljuschin Il-62M, ehemals fĂŒr die tschechoslowakische Fluglinie CSA im Einsatz, und eine Boeing 727-200 auf das Dach des „Flugzeughotels“ Novapark in Graz, Fischeraustraße 22, montiert und seit September 2018 als Restaurants genutzt. Beide stehen mit dem Bug nach SĂŒdwest orientiert und sind auch neben dem HotelgebĂ€ude abgestĂŒtzt. Von jedem der Flugzeuge ist ein Triebwerk am Boden im Freien zu besichtigen.cite-ref-23[23]

Siehe auch


Typen mit vergleichbarer Rolle, Konfiguration und Ära

‱ Boeing 707

Literatur

‱ Iljuschin Il-62. In: de Agostini (Hrsg.): Aircraft. Die neue EnzyklopĂ€die der Luftfahrt. Nr. 201. Topic, MĂŒnchen-Karlsfeld 1996, S. 5601–5607.

Weblinks

Commons

: Iljuschin Il-62

– Sammlung von Bildern

‱ Airliners.de: Iljuschin Il-62
‱ Flugzeugmuseum Il-62 in Gollenberg (Havelland)
‱ Landung auf dem Flugplatz Stölln auf YouTube

Einzelnachweise

cite-note-11. aviation21.ru
cite-note-ch-aviation-22. ↑ ch-aviation.ch – Aircraft Quick Search (englisch) abgerufen am 10. Oktober 2013
cite-note-33. ↑ Il-62 bei Interflug.biz
cite-note-44. ↑ Flugzeughandbuch Il-62 (FZH-62), INTERFLUG – Technische Dokumentationsstelle, September 1980
cite-note-55. ↑ Varianten der Il-62 (bei DDR-Interflug) (Memento vom 25. Oktober 2009 im Internet Archive)
cite-note-66. ↑ Aerosport 9/1968, S. 355
cite-note-77. ↑ Stefan Eiselin: Kim Jong-un hat seinen eigenen Jet. www.aerotelegraph.com, 13. Mai 2014, abgerufen am 12. August 2021.
cite-note-88. ↑ Nova-Air im Anflug: Soviele Flieger passen auf (m)ein Dach. In: meinbezirk.at. 13. Juni 2018, abgerufen am 11. November 2020.
cite-note-99. ↑ Altes Flugzeug-Restaurant wird Kinderspielplatz fĂŒr GeflĂŒchtete. In: LVZ.de. 5. November 2022, abgerufen am 6. November 2022.
cite-note-1010. ↑ Fliegerrevue Oktober 2009, S. 56–57, Der Landeunfall in Mashhad – Wie sicher war die Il-62 wirklich?
cite-note-1111. ↑ Unfallbericht Il-62 SU-ARN, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 23. August 2020.
cite-note-1212. ↑ Flugunfalldaten und -bericht IL-62 DM-SEA im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 16. Dezember 2021.
cite-note-1313. ↑ Flugunfalldaten und -bericht IL-62 CCCP-86671 im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 22. Februar 2022.
cite-note-1414. ↑ Unfallbericht Il-62 OK-DBF, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 24. Juni 2020.
cite-note-1515. ↑ Flugunfalldaten und -bericht IL-62 CCCP-86513 im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 17. Februar 2024.
cite-note-0-1616. ↑ Chronologie AĂ©ronautique. In: AERO 100. Abgerufen am 28. Mai 2021.
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